
Der Mai, der Mai, der eilt herbei und setzt den Frühling frei... Zumindest hatte es am 1. Mai den Anschein. Die Sonne strahlte vom Himmel herab und bescherte uns sommerliche Temperaturen. Das Wetter schien wie geschaffen für das diesjährige Maifest. Doch schon am Samstag, dem 2. Mai, regnete es am Nachmittag, und auch der Sonntag kam im trüben Look daher.
Trotz des düsteren Himmels entschlossen wir uns am Sonntag, doch einmal zu schauen, was auf dem Maifest so los ist. Auf der Schloßstraße und vor dem Kultur- und Kongreßzentrum waren unzählige Freßbuden aufgebaut. Auch eine Weinstraße, wo Weine aus verschiedenen deutschen und ausländischen Anbaugebieten angeboten wurde, war zu finden. Hotels aus Gera, aber auch aus anderen Gegenden waren mit Infoständen vertreten. Und selbstverständlich gab es auch einen Informationsstand über unsere schöne Heimatstadt Gera. Aufgefallen ist uns noch ein kleiner Stand einer Glasschleiferei, wo man sich preisgünstig Gläser mit eingeschliffenem Namenszug anfertigen lassen konnte.
Natürlich kamen neben dem Gaumen auch die Augen und Ohren nicht zu kurz. Es waren zwei Bühnen aufgebaut. Die größere befand sich am unteren Ende der Sorge, die kleinere fast direkt gegenüber von der Drogerie Müller.
Nach unserem kurzen Bummel kamen wir gerade rechtzeitig zur großen Bühne zurück, um den Beginn einer Live-Übertragung der Landeswelle Thüringen zu erleben. Es wurde ein buntes Programm mit verschiedenen Musikacts geboten. Wir haben die Chance genutzt, um mit einigen Künstlern zu reden.
Die Gruppe "Emma" fiel uns sofort auf. Ihre humorvollen deutschsprachigen Texte, die rockige, aber dennoch abwechslungsreiche Musik waren sehr ansprechend. Wie wir von dem langhaarigen Leadsänger erfuhren, stammen die fünf Musiker aus Bleicherode (bei Nordhausen). Bisher haben sie drei Alben veröffentlicht. Ihr aktuelles Album heißt "Männlich" und ist bei BMG erschienen. Es müßte in jedem größeren Kaufhaus zu erhalten sein.
Ihren Musikstil bezeichnen Emma selbst als Modern Deutschrock. Häufig würden auch Anregungen- oft nur Kleinigkeiten- aus dem Dancebereich in ihre Kompositionen einfließen. Da "Emma" ein ungewöhnlicher Name für eine Band mit ausschließlich männlichen Mitgliedern ist, haben wir uns abschließend nach der Herkunft dieses Namens erkundigt. Die Lösung ist ganz einfach: Emma ist der Spitzname des Leadsängers.
Wer mehr über Emma erfahren möchte oder sich für ihre Tour-Daten interessiert, für den besteht die Möglichkeit, über uns Informationen einzuholen.
Nur kurze Zeit nach dem Auftritt von Emma betraten Martin Sand, der die "Rocky Horror Show" am Theater Altenburg-Gera (wir berichteten in Gymmilu 11) inszenierte, und Rose-Maria Vischer, die Darstellerin der Janet in dieser Aufführung, die Bühne.
Der Moderator von Landeswelle Thüringen führte ein kurzes Interview mit den beiden durch. Anschließend hörten wir von Rose-Maria Vischer ein Lied aus dem Musical. Wir hatten die Gelegenheit, noch kurz mit Rose-Maria Vischer zu sprechen. Wie wir erfuhren, erhielt die junge Darstellerin ihre Schauspielausbildung in Wien. Seit 1991 steht sie auf den "Brettern, die die Welt bedeuten".
Die Rolle der Janet Weiss in der Rocky Horror Show spielt sie seit Anfang vorigen Jahres, wo das Stück in Altenburg Premiere hatte. An dieser Figur gefällt Rose-Maria Vischer besonders, "daß sie eine Entwicklung durchmacht und daß man das auf der Bühne zeigen kann. Erst ist sie so schüchtern, und dann lebt sie ihre Träume aus, sie wird wild und ungezügelt." Sie betonte noch einmal, daß das Stück auf jeden Fall ansehenswert ist. Dieser Meinung können wir uns nur anschließen.
Der wahrscheinlich bekannteste Gast dieses Nachmittags war Frank Schöbel. Das Herz jedes Schöbel- Fans blühte auf, als der Sänger eine Signierstunde für sein frisch erschienenes Buch "Frank und frei" (eine Autobiographie) abhielt. Nach unzähligen Autogrammen betrat Frank Schöbel schließlich die Bühne. Landeswelle Thüringen beendete ihre Live- Übertragung nach einem kurzen Gespräch mit dem Ost-Star.
Kurz darauf konnten wir Frank Schöbel live erleben (zum zweiten Mal, ich geb’s ja zu- auf dem Dalienfest 1997 ist er auch schon aufgetreten). Man kann nur sagen, der Mann versteht es, das Publikum zu unterhalten, immerhin verfügt er schon über jahrzehntelange Bühnenerfahrung. Wenn man seine Vorurteile ('Schlager, igittigitt') und seine Hemmungen ('Hoffentlich sieht mich keiner, den ich kenne') beiseite läßt, kann man Frank Schöbel nur sympathisch finden. Humorvoll und charmant führte er uns durch seine musikalische Vergangenheit. Wir hörten Lieder wie "Heißer Sommer", "Blonder Stern" oder "Mit mir könn’ se’s ja machen". Mancher in der Oberstufe erinnert sich vielleicht auch noch an "Komm wir malen eine Sonne". All diese Lieder kenne ich aus meiner Kindheit. (Huh, ist das schon so lange her?) Und auch wenn die Geschmäcker verschieden sind und nicht jedem diese Musik gefällt, bleibt es eine Tatsache: "Die Fans sind eine Macht".
Anschließend traten lokale Bands auf, so die Band der Wicher Musikschule, eine sechsköpfige Nachwuchsgruppe, die seit Weihnachten 1997 besteht, und Rock History, die auf eine bereits mehrjährige Existenz zurückblicken können. Alles in allem war das Maifest ein gelungenes Event und konnte auch (trotz des Rummelfestes auf dem Platz am Stadion) nicht über zu wenig Besucher klagen. Hoffen wir, daß es nächstes Jahr genauso gut wird, wenn nicht noch besser.
